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Doubleseven-Eleven
Vielen hat sich das Datum “nine-eleven” ins Gedächtnis gebrannt. Für mich gibt jetzt es einen ähnlich wichtigen Termin, allerdings mit einer überaus positiven Konnotation: 7.7.11 - der Tag, an dem unsere Volksvertreter das Gesetz zur Präimplantationsdiagnostik (PID) verabschiedet haben und diese damit für zulässig erklärten. Zwar in sehr engen Grenzen, aber immerhin. Eine Gewissensentscheidung ohne Fraktionszwang, die mit ihrem dann doch überraschend eindeutigem Ergebnis gezeigt hat, dass die Damen und Herren in Berlin, die manchmal den Anschein erwecken, sie hätten kein Gewissen, wohl doch noch eins haben. Ein Gewissen den Eltern gegenüber, denen sie dadurch großes Leid ersparen. Ein Gewissen den Frauen gegenüber, denen sie große Risiken und körperliche Schmerzen abnehmen. Respekt den Menschen gegenüber, die sich Kinder wünschen und bereit sind, dafür alles aufzubringen, was sie haben.
Ich habe sehr viel gelesen in den letzten Monaten, die Argumente von Befürwortern und Gegnern der PID verfolgt, Geschichten über Dammbrüche und Designer-Babys gehört und weiteres sinniges wie auch unsinniges Zeug. Ich respektiere die Befürchtungen der Gegner der PID, wenngleich ich selbst ein großer Befürworter bin. Ich verstehe, dass man Angst vor Dingen hat, von denen man glaubt, man könnte ihr Ende nicht abschätzen oder ihren Prozess nicht kontrollieren. Ich weiß, dass Diskussionen schnell sehr harsch werden, wenn es auf einmal “ums Prinzip” geht - und letztendlich die Betroffenen bei diesen Prinzipiendiskussionen auf der Strecke bleiben.
Sicher können wir trefflich bis an das Ende unserer Tage darüber diskutieren, ob, und wenn ja, wie weit der Mensch in den Schöpfungsprozess des Menschen eingreifen darf. Ich bin der Ansicht: Wir sollen und wir müssen diese Diskussion bis an das Ende unserer Tage führen, weil die Frage, um die es dabei geht, viel zu wichtig ist, als dass wir sie vernachlässigen könnten. Aber dieses Ringen um Positionen hilft denjenigen Menschen nicht weiter, die jetzt eine konkrete Antwort auf eine konkrete Frage brauchen. Die Politik war diesen Menschen eine Antwort schuldig.
Diese Antwort ist am 7.7.11 erfolgt und es ist eine gute Antwort. Sie ist deswegen eine gute Antwort, weil sie in die richtige Richtung weist und den betroffenen Menschen signalisiert, dass ihre Nöte im Grundsatz verstanden wurden. Dass diesen Menschen in wichtigen Fragen ihres Lebens bis zu einer bestimmten Grenze Rechtssicherheit eingeräumt wurde.
Sicherheit nimmt der Angst den Raum. Gleiches gilt auch für die Gegner des Beschlusses. Ich habe erschreckend vieles gelesen, was als Grund gegen die PID ins Feld geführt wurde, das schlicht und ergreifend falsch ist. Unrichtig. Ungenügend recherchiert. Wissenschaftlich unsauber argumentiert. Populistisch. Durch das verabschiedete Gesetz wird sich kein einziges Designer-Baby züchten lassen. Kein Paar darf sich jetzt nach Gutdünken Embryonen aussuchen und sich gegen ein Kind entscheiden, weil es schiefe Zähne oder krumme Finger hat. Wer das Wort “Dammbruch” in den Mund nimmt, sollte auch darüber nachdenken, was das PID-Gesetz leistet, um genau diesen zu verhindern. Und wer mit Gottes Willen argumentiert, sollte - das ist meine Meinung - darüber nachdenken, ob er sich denn wirklich sicher sein kann, zu wissen, was Gott denn so will - oder auch nicht will.
Wir alle sind Menschen, keine Götter. Deswegen bleibt uns nichts anderes übrig, als um unsere Standpunkte zu ringen, um unsere Positionen zu werben und Kompromisse zu schließen. Das macht es unglaublich anstrengend, aber gleichzeitig auch unglaublich spannend. Vor diesem Hintergrund ist das Gesetz zur Präimplantationsdiagnostik sicher kein Abschluss der Diskussion, wie weit der Mensch in die Erschaffung menschlichen Lebens eingreifen darf, sondern nur ein wichtiger Meilenstein mit dem Datum 7-7-11.
Tom Feibner